Ich war's nicht
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Gießener Krimifestival 2009


Editorial

Liebe Gäste des Krimifestivals,

„Ich war`s nicht“ ist allzu oft die erste Reaktion bei einer Schuldfrage.
Nie will es einer gewesen sein - und doch ist etwas passiert. Es hat Opfer gegeben und die Frage steht im Raum: Wer war`s?
Die drängende Frage nach dem Täter ist unausweichlich verknüpft mit der Frage nach seinen Motiven und nach der Schuld oder allgemeiner, nach der Verantwortlichkeit. 
Schon in der Bibel ist zu lesen, „wer ohne Schuld sei, der werfe den ersten Stein“.
Und Sie sind also unschuldig. Sind Sie sicher? Haben Sie ein Alibi? Wo waren Sie denn am ...
Uff...???
Krimileser kennen das Prozedere.
„Ich habe niemals von einem Verbrechen gehört, das ich nicht hätte begehen können“ soll Goethe einmal zu seinem Sekretär Eckermann gesagt haben.
Und Sie wollen unschuldig sein? Vielleicht waren Sie`s ja doch. Wenn schon Goethe gesteht ...
Also bitte, wo bleibt Ihr Geständnis ...? Nur so`n kleines, ein Teilgeständnis vielleicht. Den Rest macht dann die Polizei.
Sie haben kein Motiv?
„Zum Morden braucht man kein Motiv, es reicht ein Messer ...“ hat Hitchcock mal erklärt. Und der muss es ja wissen.
Wie, Sie fordern Gerechtigkeit?
"Wer kein Verbrechen begeht, ist für die Gerechtigkeit uninteressant." hat der polnische Lyriker Stanislaw Jerzy Lec einst treffend festgestellt.
Somit kommt die Forderung nach Gerechtigkeit einem Teilgeständnis gleich.
Ist Ihnen das klar?
Abführen ...

„Nosce te ipsum“ (Erkenne dich selbst) lautet das Motto des Gießener Krimifestivals 2009 und da reicht es nicht aus, sich hinzustellen und zu sagen: „Ich war`s nicht“.
In diesem Sinne allen Gästen beste Unterhaltung beim Gießener Krimifestival 2009

Ihr Uwe Lischper